Bibel mit Kreuz

Radikale Christen: Religion und Schule

Radikale Christen auf Mission

Laute Schreie: „Jesus unser Erlöser!“, „Er wird uns alle von unseren Sünden befreien!“, „neben Jesus kann es keinen anderen geben!“. Auf meinem Rücken läuft ein Schauer hinunter. Vielleicht liegt es daran, dass in meinem Weltbild jegliche Art von Religion fehl am Platz ist, andererseits könnte es auch daran liegen, dass der Mann von dem die fanatischen Rufe ausgingen, einfach inmitten der Bielefelder Innenstadt stand, eine Bibel in der Hand hielt und das ganze einfach eine unheimliche, zum Teil groteske Situation war.

Die Situation ging mir die letzten Tage nicht aus dem Kopf. Ich habe in letzter Zeit des öfteren bemerkt, dass Radikale Christen verschiedenster Ausrichtung in der Innenstadt stehen, Leute ansprechen oder sogar von Haus zu Haus laufen um ihre „Mission“ zu vollenden. Eine Dokumentation die sich mit dem Thema „Privatschule“ beschäftigte, löste in mir das Grauen aus.

Warum Religion in der Bildung zum Problem werden kann

Viele fundamentalistische Christen sehen in der Bibel und in der angeblichen Schöpfung die unantastbare Wahrheit. Wissenschaft ( z.B Darwins Evolutionstheorie ), Aufklärung und ein modernes Menschenbild haben in ihrer Welt keinen Platz.

Auch Privatschulen müssen sich an den Lehrplan halten. Dieser beinhaltet aber Punkte, die Radikalen Christen ein Dorn im Auge sein könnten. So sind als Beispiele die sexuelle Aufklärung oder die Evolutionstheorie anzuführen. Die Frage ist jedoch:

„Lässt sich das überhaupt kontrollieren?“

Ich denke, dass es für das Land schwierig werden könnte zu kontrollieren, ob der Lehrplan in Schulen wirklich eingehalten wird. Klar gibt es Prüfungen und Klausuren, jedoch reichen diese als Kontrolle nicht aus. Zudem kann man auch nicht einfach einen „Kontrolleur“ in den Unterricht setzen, denn es ist klar: Sitzt dieser dort, wird für eine Stunde ein „normaler“ Unterricht geführt, kaum ist der Kontrolleur wieder weg, wird wieder gegen die Wissenschaft gelehrt.

Bibel mit Kreuz

Die Bibel

Grundrecht auf Bildung

Beginnen Schulen mit einer Christlich-Fundamentalen Ausrichtung den Lehrplan zu ignorieren, dann nehmen sie den Schülern damit ihr Recht auf ihre Bildung und verhindern so, dass diese später einmal zu mündigen Erwachsenen herranwachsen. Sie nehmen ihnen die Fähigkeit sich aus verschiedenen Quellen/Meinungen ihre ganz eigene Meinung zu formen.

Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung

Auch die Tatsache, dass Radikale Christen oftmals die sexuelle Aufklärung ignorieren oder sie in ihrem Sinne auslegen ist nicht unbedingt förderlich. Es ist nicht sinnvoll einem Menschen mit schwerwiegenden Folgen zu drohen, oder ihn unter Druck zu setzen keinen Sex vor der Ehe zu haben. Denn genau das sollte seine eigene Entscheidung sein und bleiben. Und was passiert, wenn ein Kind keine Aufklärung bekommen hat und plötzlich hilflos seine eigene Sexualität entdeckt? – Kein Gott wird kommen und helfen!

Wissenschaftliche Methoden erlernen

Wissenschaftliche Erkentnisse zu ignorieren oder sie mit pseudo-wissenschaftlichen Zitaten aus der Bibel zu widerlegen bringt keinen Schüler weiter. Denn wie kann er lernen wie Wissenschaft und Forschung funktioniert, wenn ihm in der Schule vor Augen geführt wird, dass ein Bibelzitat oder das Wort einer Ikone mehr Aussagekraft habe als eine Forschungsarbeit?

Der schmale Grad

Kirche

Eine Kathedrale

In der Diskussion um Glaube, Glaubensauslegung und Extremismus bewegt man sich immer auf einem extrem schmalen Grad.

„Wie weit kann man Glauben tolerieren?“

„Wann sollte der Staat eingreifen?“

„Wann kollidiert die Glaubensfreiheit mit anderen Rechten?“

Zu mir

Ich selbst glaube an keinen Gott und an keine übersinnliche Macht. Im Sommer 2016 trat ich aufgrund meiner Überzeugung aus der evangelischen Kirche aus und bin seitdem konfessionslos. Meine eigene Überzeugung ist es, dass der Mensch nur sich selbst helfen kann und dass wir unsere Hoffung nicht in eine übersinnliche Macht legen sollten. Ich lass trotz allen Umständen jeden Gläubigen seinen Glauben ausleben, solang ich nicht grundsätzliche Rechte verletzt sehe oder denke dass jemand durch die Auslegung der Religion geschädigt werden könnte.

„Wie seht ihr das ganze?“

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Biblithek

Die Schule – politisch ein neutraler Raum?

Ist die Schule ein politisch freier Raum?

Ich gehe momentan noch in Nordrhein-Westfalen zur Schule und werde in wenigen Wochen mein Abitur in der Hand haben. In der Schule wurde uns immer wieder eine Sache ins Gewissen gerufen: Die Schule hat ein politisch neutraler Raum zu sein.

Wappen NRW

Landeswappen von NRW

Ich möchte in diesem Artikel keine juristischen Fragen auflösen oder darüber diskutieren ob ein Gesetz oder eine Vorschrift richtig oder falsch ist. Dafür bin ich kein Experte. Ich kann hier aber über die Frage philosophieren, ob es für Lehrer*Innen und Schüler*Innen überhaupt möglich ist politische Neutralität zu gewährleisten. Denn wenn wir mal ehrlich sind: Entweder man ist politisch, hat eine Meinung, oder man ist es nicht. Und genau an dem Punkt an dem man seine ganz eigene Meinung hat, genau da wird es schwer neutral zu bleiben.

Was darf man als Schüler?

Natürlich gibt es auch gewisse Schüler*Innen die eine eigene politische Meinung vertreten und diese natürlich auch kundgeben wollen. Ich gehöre auch dazu. Aber darf ich das überhaupt?

Meiner Meinung nach sollten alle Schüler*Innen das sagen können was sie denken und was sie für richtig halten. Solang alles in einem moralisch vertretbaren Rahmen bleibt, keine Beleidigungen oder diffamierende Kommentare gegenüber Mitschülern oder anderen Gruppen gemacht werden, sollte alles erlaubt sein.

Schule hat nicht nur zum Ziel den Schüler*Innen stumpfes Wissen in ihren hohlen Schädel einzutrichtern. Es geht dabei um viel mehr. Es geht darum zu hinterfragen, zu analysieren und zu interagieren, seine eigene Meinung zu vertreten. Dabei spielt auch das herrausbilden einer politischen Meinung in meinen Augen eine markante Rolle. Die Schule ist der ideale Raum um Schüler*Innen verschiedene Blickweisen auf Arbeit, Wirschaft und Gesellschaft zu geben um ihre Meinungsbildung vorranzutreiben.

Was ist dabei die Rolle der Lehrerinnen und Lehrer?

Lehrer*Innen sollten versuchen politisch neutral zu bleiben. Ihre Aufgabe sollte es sein, Diskussionen und Beiträge zu moderieren und darauf zu achten, dass jede Meinung zu Wort kommt und auch eine gewisse Beachtung finden kann.

Pingiun als Lehrer

Lehrer als ein Pinguin dargestellt

Auch Lehrer*Innen haben wahrscheinlich eine eigene Meinung zu politischen Themen. Schwer wird es für sie, wenn ein Schüler nicht mit ihnen auf einer Wellenlänge ist und eine andere politische Meinung als sie vertritt. Und auch wenn Lehrer*Innen vor der Klasse stehen müssen sie darauf achten, dass sie versuchen neutral zu bleiben und ihre eigene Meinung nicht in den Vordergrund zu stellen.

Ich möchte an dieser Stelle einmal dazu anregen, über folgende Frage selbstständig nachzudenken:

Dürfen Lehrer*Innen ihrer eigene Meinung in der Schule vertreten? Wie weit dürfen sie dabei gehen?

Ein Beispiel: Björn Höcke (AfD)

Der AfD-Politiker Björn Höcke war bis zu seinem Einzug in den Landtag Oberstudienrat an einem Gymnasium und unterrichtete dort Sport und Geschichte. Höcke fällt vor allem in der Öffentlichkeit immer wieder durch seine völkisch-rassistischen Aussagen auf und wird von vielen Seiten dafür heftig kritisiert.

Ich sehe diesen Fall besonders kritisch. Höckes Auftreten und seine ihn leitende politische Ideologie gewährleistet in meinen Augen keine politische Neutralität. Der Fall Höcke ist zudem, aufgrund dass er Geschichte unterrichtet, besonders zu beachten. Ich persönlich würde nicht wollen, dass meinem Kind in der Schule die Geschichte nicht neutral vor Augen geführt werden könnte und dass es wohlmöglich von derart mir völlig fremden Ideologien nachhaltig geprägt werden könnte.

Dennoch: Björn Höcke ist als Mandatsträger von seiner Pflicht befreit und darf sich politisch äußern wie er es denn gerne möchte. Auch wenn es mir und vielen anderen Leuten nicht gefallen mag. Ob Höcke dennoch in den Schuldienst zurückkehren darf ist eine Frage die abzuwarten ist.

Wer möchte, der darf gerne hier ein wenig weiterlesen:

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Robin, bist du jetzt bei der RAF?

Robin, seit wann bist du bei der RAF?

Die Frage ob ich jetzt bei der RAF (Rote Armee Fraktion) sei, wurde mir vor genau einer Woche von meiner Sowi-Lehrerin gestellt. Eigentlich hätte ich nicht gedacht, dass mir einmal eine solche Frage gestellt werden würde. Ich stufe mich selber nicht als einen Extremisten ein, würde aus meinem Auftreten aber auch nicht schließen, dass Außenstehende in die Richtung denken könnten.

Wie es zu der Situation kam

Eigentlich hatten wir eine ganz normale Unterrichtsstunde Sowi-Zusatzkurs. Den Kurs den fast jeder dort nur belegt hat, weil er vom Schulgesetz her gezwungen wird diesen Kurs für mindenstens ein Jahr zu belegen. Somit lässt sich also auch schon der Schluss ziehen, dass dort fast Niemand Ahnung von der Materie hat, Niemand Bock hat und dass dort fast alle nur ihre Zeit absitzen.

Wir diskutierten über die geplante Verfassungsreform in der Türkei, ein Mitschüler meldete sich und sagte:

„Erdogan kann uns mit dem Flüchtlingsdeal doch total erpressen!“,

Woraufhin ich einfach auf meine Art erwiederte:

„Die Rote Armee wird das Ganze schon regeln!“

Das Ganze hatte ich natürlich als einen kleinen Spaß gesagt. Jeder der mich kennt, der weiß auch, dass ich solche Kommentare nur abgebe, weil sowieso Niemand dort versteht wovon ich eigentlich rede.

Meine Lehrerin hat das ganze dann ( Warum auch immer!?) völlig falsch verstanden. Sie weiß dass ich ein Linker bin. Zusätzlich kennt sie auch meine genaue Einstellung zu bestimmten Dingen, z.B aus der Zeitung. Warum sie aus meiner Aussage geschlossen hat, ich wäre bei der RAF ist mir ein Mysterium. Normalerweise kennt man als Lehrerin den Unterscheid zwischen der Roten Armee und der Roten Armee Fraktion. In diesem  Moment musste ich schmunzeln. In der Schule passieren nunmal ab und an lustige Situationen.

 

 

Wählen gehen? – Nichts für den Nichtwähler

Das Phänomen „Nichtwähler“

In den letzten Jahren zeichnet sich ein besorgniseregender Trend ab: Immer weniger Bürger wagen den Gang zur Urne, sehen keinen Sinn in der Wahl oder wissen einfach nicht worum es bei einer Wahl überhaupt geht. Ursachen dafür gibt es viele. Menschen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, bemerken, dass für sie kaum ein gesellschaftlicher Aufstieg möglich ist. Andere stechen  mit Statements wie: „Solang es mir gut geht brauche ich nicht zur Wahl zu gehen„, aus der Masse der Bevölkerung hervor. Doch eins haben sie alle gemeinsam, sie sind Nichtwähler, egal ob sie sich dazu bekennen oder nicht.

Nichtwähler bedeuten ein enormes Potential

Wenn wir davon ausgehen, dass gut gemeinte 80% der Wahlberechtigten in Deutschland ihre Stimmen abgeben, so sind ihre Stimmen maßgeblich für die Zusammensetzung des Bundestages.

Trotzdem haben wir immer noch Luft nach oben. Gehen wir doch einfach mal davon aus, dass es eine Partei schaffen könnte, die restlichen 20% der Wahlberechtigten auf ihre Seite zu ziehen. Das Ergebnis einer Wahl könnte plötzlich komplett anders aussehen. Parteien, die knapp über die 5%-Hürde gekommen wären, würden es plötzlich nicht mehr geschafft haben. Kurz gesagt: Das komplette „Kräfteverhältnis“ hätte sich durch die Nichtwähler (jetzt Wähler) geändert.

Wir halten also fest: In den Nichtwählern steckt für viele ein enormes Potential. Schafft man es als politische Gruppierung oder Partei diese auf die eigene Seite zu ziehen, so kann man maßgeblich die Ergebnisse einer Wahl beeinflussen und seine politischen Ziele mit einer breiter getragenen Legitimation durchsetzen.

Warum die Nichtwähler „gefährlich“ werden könnten

In Deutschland gibt es keine Mindestwahlbeteiligung. Heruntergebrochen bedeutet dies, dass die Wahl gültig wäre, wenn nur ein einzelner Bürger seine Stimme abgäbe. In der Realität wird dieses Ereignis nur äußerst unwahrscheinlich eintreten, denn die Wahrscheinlichkeit, dass nur ein Bürger wählen geht, liegt bei ca. 0.0000000125. Trotzallerdem kann eine sinkende Wahlbeteiligung für eine Demokratie gravierende Folgen haben.

Stellen wir uns vor, die ärmste Bevölkerungsschicht in Deutschland würde aus Enttäuschung aufhören zur Wahl zu gehen. Wer wählt dann noch die Partei die ihre Interessen vertritt? – Richtig, Niemand. Es würden nur noch Parteien gewählt werden, die Interessen der Reichen und der Mittelschicht vertreten. Die Armen sind abgehängt, abgekapselt von Politik und Gesellschaft. Der Bundestag könnte jetzt Gesetze beschließen, die sich nur noch gegen die Armen richten. Wenn wir dabei von einem fiktiven Extremfall ausgehen, dann geht das Spiel immer so weiter, bis „Demokratie“ plötzlich nur noch etwas für eine privilegierte Klasse ist.

Armut - Nichtwähler

Auch hier sehen wir also: Wenn plötzlich aufgehört wird zur Wahl zu gehen, dann kann das für eine Demokratie weitreichend negative Folgen haben. Sinn und Zweck eines demokratischen Systems sollte es sein, die Interessen aller Bevölkerungsschichten in die Gesetzgebung einfließen zu lassen. Das ganze würde nicht mehr funktionieren wenn die Wahlbeteilgung weiterhin sinken würde. Bestimme Gruppen wären abgekapselt und ihre Interessen würden kein Gehör mehr finden.

Darum verweigern Nichtwähler den Gang zur Urne

Wie Anfangs schon gesagt wurde. Nichtwähler sind nicht alle gleich. Es gibt viele verschiedene Ursachen warum sie sich weigern ihre Stimme abzugeben und am politischen Leben teilzuhaben. In meinen Augen gibt es für das Phänomen „Nichtwähler“ zwei Hauptgründe:

1.Mangelndes Verständnis

Viele Bürger wissen heutzutage nicht mehr über die Abläufe der Politik und der Verwaltung Bescheid.

„Was übernimmt der Bundestag für Aufgaben?“

„Wer wählt eigentlich den Bundespräsdidenten?“

Klar ist: Wenn ich mich mit etwas nicht auskenne, wenig Zeit habe mich damit zu beschäftigen, warum sollte ich dann weiter meine Zeit damit vergeuden? Fast Niemand fängt an etwas zu tun, obwohl er keine Ahnung davon hat, was er denn grade tut. Politische Bildung ist in diesem Zusammenhang also ein wichtiger Faktor, dem meiner Meinung nach in nächster Zeit eine größere Aufmerksamkeit gebührt.

2. Enttäuschung

„Die da oben entscheiden eh nur gegen unseren Willen“

„Die kümmern sich doch eh nur um uns, wenn es mal wieder um Stimmenfang geht“

Mit dem letzten Statement haben die Nichtwähler in weiten Teilen meist Recht. Typischerweise haben die meisten das Bild des Politikers im Kopf, der sich in Bürgernähe nur blicken lässt, wenn die nächste Wahl mal wieder ansteht. Dieser verschenkt dann Würstchen und verteilt Luftballons und ist dann der Meinung, dass dies ausreichen würde um die Wähler auf seine Seite zu ziehen. Natürlich sind nicht alle so. Oftmals gibt es auch Politiker, die regelmäßig in die Heimat fahren um den Bürgern ein offenes Ohr zu bieten. Trotzdem macht es ein falsches Bild, nur am „Vorabend“ der Wahl zu erscheinen und sich dann für vier Jahre nicht mehr blicken zu lassen. Klar, dass dann viele Bürger enttäuscht sind und dass die Wahl für sie keine Option mehr ist.

Nichtwähler zum Wählen bewegen

Trotz dem Verständnis, dass man den Nichtwählern gegenüber haben könnte, sollte das Ziel sein, diese wieder zum Gang an die Urne zu bewegen. Unsere Demokratie lebt davon, dass ein jeder sich beteiligen kann und dies auch sollte. Zwingen dazu können wir niemanden. Trotzdem können wir agieren und zeigen, dass jeder Bürger mit seiner Stimme in der Lage ist etwas zu bewegen und zu verändern. Auch Nichtwähler haben eine Meinung, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht zu erraten ist. Denn nicht politisch sein, das kann man nicht. Wie wäre es denn, einem Nchtwähler entgegen zu kommen, anstatt sich in purer Wut über seine Inaktivität zu verlieren? Wäre ein offenes Ohr und das Aufzeigen besserer Beispiele nicht ein besserer Schritt?

Versuchen wir die Nichtwähler wieder zu integrieren! Niemals wird man alle überreden können sich wieder zu beteiligen. Aber jeden den man wieder für den Weg an die Urne motivieren konnte, ist ein Erfolg.

Weiterführende Links zu den Thema „Nichtwähler“

Wahlbeteiligung in Deutschland (Wikipedia)

Studie zur Wahlverdrossenheit (Spiegel)

Mehr Wahlverweigerer als Wähler der CDU (Süddeutsche)

 

 

Die Unwissenheit meiner Mitschüler – Unwissenheit schadet

Warum die Unwissenheit meiner Mitschüler Nerven kostet

Meine ehemaligen Mitschüler haben oft mit ihrer nicht übertreffbaren Unwissenheit bei mir gepunktet. Eine große Spannbreite von Schilderungen und Kommentaren haben mir in meiner Schulzeit einiges an Nerven abgerungen. Ich bin mir bewusst, dass sich nicht ein Jeder für gesellschaftliche und politische Vorgänge interessiert. Bestimmt gibt es auf der anderen Seite auch Leute die gegenüber meinen wirklich grottigen Mathematikkenntnissen keinerlei Verständnis zeigen können. Wer sich aber genauso wie ich für Politik interessiert und sich damit auskennt, der wird bestimmt ein kleines Fünkchen weit verstehen, warum meine Nerven in meiner Schulzeit oftmals bis auf äußerste strapaziert wurden.

Situation 1: „Der aufrichtige Deutsche“

Fast alle meiner Mitschüler wissen, dass ich dem linksliberalen Spektrum zuzuordnen bin. Anscheinend aber nicht, was genau es denn bedeutet ein „Linker“ zu sein. Ich möchte ein Beispiel anführen: Vor kurzer Zeit warf meine Lehrerin im Fach „Sozialwissenschaft“ die Frage in den Raum, an wen oder was wir spenden würden, wenn wir 100 Euro dazu zur Verfügung hätten. Antworten darauf waren wie zu erwarten: „An das Tierheim„, oder „An die Welthungerhilfe„, wogegen auch ersteinmal nichts gegen einzuwenden ist. Ich meldete mich. Mein engster Freundeskreis begann zu schmunzeln, sie wussten genau was sie jetzt erwartete:

Ich als aufrichtiger Deutscher würde das Geld einer wahrhaftig patriotischen Partei zukommen lassen, die Islamisierung des Vaterlandes muss gestoppt werden, das Geld gebührt der AfD!“ (Alternative für Deutschland)

Stille im Raum. Meine Lehrerin verharrte. Ein verlegenes Lachen eines meiner Freunde. Plötzlich Zustimmung, frei nach dem Motto:

„Der hat mit Politik zu tun, der wird schon wissen was er sagt!“

Zustimmung und Unwissenheit

Grenzenlose Zustimmung

Das schlimme an der Situation war allerdings, das auch die Mitschüler mit Migrationshintergrund meine Aussage befürworteten. Einer der Momente die mich fast zum Platzen brachten und einer der mitverantwortlich dafür ist, dass ich mich für eine vernünftige, nachhaltige politische Bildung einsetze.

Situaton 2: „Ich geh nicht wählen solang es mir nicht schlecht geht“

Ich möchte einsteigen mit einem Satz der uns allen bekannt sein sollte:

„Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!“

In unserer Gesellschaft ist es nun einmal so, dass jeder für sein eigenes Handeln und Denken verantwortlich ist und die Konsequenzen dafür zu tragen hat. Und genau das lässt sich auch auf die unterste Ebene politischer Partizipation übertragen. Wer nicht wählen gegangen ist, seine eigenen Interessen nicht vertreten lassen wollte, der sollte im Gegenzug damit zurecht kommen, dass sich in seiner Lebensituation vielleicht nichts verbessert oder sich gar verschlechtert. Natürlich besteht danach noch eine Chance sich zu engagieren oder sich Initiativen anzuschließen um seine Meinung zu vertreten, allerdings sollte man sich schon bewusst sein, dass man sich als Nichtwähler nicht großartig zu beschweren hat.

Die folgende Situation enspringt ebenfalls aus dem Sozialwissenschaftsunterricht. In Hinblick auf die anstehenden Wahlen im Jahr 2017 stellte meine Lehrerin die Frage, wer von uns denn an den Wahlen teilnehmen würde. Zu meinem Erleichtern meldeten sich noch ungefähr 70% des Kurses, ich hatte eine geringere Beteiligung erwartet. Auf die Frage warum er denn nicht wählen gehen würde erwiederte einer meiner Mitschüler:

„Ich geh nicht wählen solange es mir nicht schlecht geht!“

Sprachlosigkeit meinerseits. Fragen über Fragen:

Wenn er nicht wählen geht weil es ihm gut geht, kann man ihn dann erst zum wählen bewegen wenn es ihm schlecht gehen sollte?

Weiß er überhaupt, dass die Maßstäbe wie wir sie heute haben ein langer politischer Verwirklichungsprozess gewesen sind?

Ist er sich bewusst, dass er als Wähler Träger der Demokratie und der Hüter seiner eigenen Freiheit ist?

Fazit

Politische Bildung muss wieder stärker ins Blickfeld der Gesellschaft geraten. Es ist eine für mich erschreckende Entwicklung, wenn Erwachsene Menschen sich nicht in dem System auskennen in dem sie leben, wenn sie Wahlen ablehnen und wenn tragende Elemente der Demokratie für sie ein unbekanntes Mysterium sind und bleiben.

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