Darum verliert die SPD an Stimmen

Warum die SPD Wählerstimmen verliert.

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands steht unter massivem Druck. Besonders die letzte Landtagswahl in Hessen steht exemplarisch für den bundesweiten Trend historisch schlechter Wahlergebnisse. In diesem Artikel möchte ich dir einen theoretischen Zugang vorstellen , mit dem das Problem der SPD erklärt werden kann. 

Pierre Bourdieu: Das Politische Feld

Der theoretische Zugang um das Problem der SPD zu fassen kommt von Pierre Bourdieu. Der Soziologe hat eine Theorie zum politischen Feld entworfen, die uns heute helfen kann zu verstehen, warum sich immer wieder Wähler von der SPD abwenden. In Hessen erreichte die SPD beispielsweise nur noch 19,8% der Wählerstimmen, für die SPD ein historisch schlechtes Wahlergebnis.

 

Die SPD ist zu autonom!

Pierre Bourdieu geht davon aus, dass „[..] das politische Feld autonom ist, seine eigene Logik hat und diese Logik den Äußerungen der in diesem Feld agierenden Personen zugrunde liegt [..]“

Was Bourdieu uns damit sagen möchte ist, dass die Politik innerhalb der Gesellschaft ein eigenes kleines System ist. Die Politik ist zwar abhängig von der Gesellschaft, und ist Teil der Gesellschaft, so wie die Gesellschaft auch Teil der Politik ist, funktioniert aber nach seiner eigenen Logik. Die Politik ist abgegrenzt, professionalisiert und hat ihre ganz eigene Logik entwickelt.

Feld (SPD) und Mandanten

Innerhalb des Feldes gibt es ein spezifisches Interesse, dass sich nicht unmittelbar auf das Interesse der außerhalb des Feldes stehenden Mandanten zurückführen lässt. Das Feld schottet sich ab. Der politische Raum verselbstständigt sich, entwickelt eigene Logiken, handelt immer mehr nach eigenen Interessen und distanziert sich von den Laien, die außerhalb des Feldes stehen und keinen Zugang zum politischen Feld haben.

In der SPD als ein Teil des politischen Feldes ist genau dieser Vorgang zu beobachten. Die SPD hat Interessen, die sich nicht auf ihre Mandanten zurückführen lassen, sondern sich hauptsächlich aus der Beziehung zu ihrem Koalitionspartner herausgebildet haben. Da in dem politischen Feld eine spezifische Kompetenz erzeugt und reproduziert wird, haben Mandanten, bzw. Laien, keinen Zugang zu den Entscheidungen und Vorgängen innerhalb der Partei.

Die Schlussfolgerung daraus ist, dass die SPD durch ihre jahrelange Koalition mit der CDU einen Bruch zwischen sich und den Laien provoziert hat, nun folgen als Konsequenz historisch schlechte Wahlergebnisse.

Was können die „spezifischen Interessen“ der SPD sein?

Die SPD ist seit Jahren in einer Koalition mit der CDU. Die SPD verdient sich dadurch durch Mandante nicht nur finanzielles Kapital, sondern kann im Austausch mit der CDU auch eigene machtpolitische Ziele durchsetzen. Dazu gehören Ministerposten und Personalentscheidungen genauso wie die allseits bekannten Abstimmungen über Gesetze im Reichstag.

Die SPD bezeichnet sich als eine „Sozialdemokratische Partei“. Ihre Wählerschaft besteht traditionell  aus Arbeitern und abhängig Beschäftigten, die sich von der SPD erhoffen, dass diese sich spezifisch für deren Interessen einsetzt. Natürlich lässt sich darüber streiten, ob die SPD nicht schon vor 100 Jahren die Arbeiterschaft verraten hat.

Nun schafft es die SPD in der Koalition mit der CDU leider nicht die Interessen ihrer Wählerschaft zu vertreten.  Dazu kommt, dass es paradox wirken kann, wenn die SPD große Summe an Spenden von großen Unternehmen bekommt, die in natürlicher Weise gegen die Interessen der SPD-Wählerschaft agieren.

Diese These habe ich aus dem Studium

Ich studiere Politikwissenschaft. Diese These musste ich im Seminar „Politische Kommunikation“ (3.Semester) entwickeln. Der Kommentar das Dozenten dazu war ein „Sehr gut“.

Das politikwissenschaftliche Studium bietet großartige Möglichkeiten um Gesellschaft und Politik zu verstehen und aus anderen Blickwinkeln betrachten zu können. Vielleicht ist ein Studium der Politikwissenschaft ja auch in deinem Interesse.

Das Problem der SPD kann man auch an anderer Stelle sehen

Den Verlust der Wählerstimmen der SPD kann man natürlich auch aus anderen Blickwinkeln betrachten. Die Theorie von Pierre Bourdieu ist nur ein Ansatz von vielen, um Gesichtspunkte wie diesen zu beleuchten. Je nach Sachverhalt ist eine Theorie mehr oder weniger geeignet um ein Phänomen zu erfassen oder zu rahmen.

Das politische Feld.

Meine Informationen zum politischen Feld habe ich aus Pierre Bourdieus Arbeit:

Bourdieu, Pierre. Das politische Feld. Zur Kritik der politischen Vernunft. Konstanz 2001.

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