Darum studiere ich Politik

Darum habe ich angefangen Politikwissenschaft zu studieren

Bestimmt fragst auch du dich, ob du mit einem Studium der Politikwissenschaft anfangen sollst. Für den Einstieg in das Studium sprechen mehrere Dinge. Dieser Artikel wird allerdings persönlicher werden. Ich werde dir erzählen was meine eigene Motivation gewesen ist Politikwissenschaft zu studieren, welche Überlegungen bei mir im Hintergrund standen, und warum du daraus etwas lernen kannst.

Das habe ich vor dem Studium gemacht

Bevor ich angefangen habe Politikwissenschaften zu studieren, habe ich mein Abitur auf einer Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen gemacht. Zuvor habe ich ein Gymnasium besucht, habe die Schule allerdings gewechselt, da zum einen auf dem Gymnasium meiner Meinung nach, ein zu hoher Leistungsdruck herrscht, zum anderen schien das von mir besuchte Gymnasium nicht auf Schüler aus Hartz-IV-Familien vorbereitet zu sein.

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Die Schullaufbahn hat mich politisiert

Meine Schullaufbahn hat mich dazu gebracht, mich mit der Möglichkeit eines politikwissenschaftlichen Studiums auseinanderzusetzen. Auf dem Gymnasium war ich betroffen von der Arbeitslosigkeit meiner Mutter. Ich habe am eigenen Leib mitbekommen, was es bedeutet in Armut zu leben, und wie arme Menschen im alltäglichen Leben benachteiligt werden. Am Gymnasium war niemand darauf eingestellt, dass plötzlich ein Junge aus einer Hartz-IV- Familie sein Abitur ablegen könnte. Die Probleme begannen mit teuren Klassenfahrten und Ausflügen, und zogen sich fort, wenn es um Finanzierungen von 160€-Taschenrechnern ging.

Auf der Gesamtschule war das ein wenig anders. Diese lag in einem migrantisch geprägten Stadtteil, war aus bürgerlichem Milieu von Vorurteilen behaftet, und plötzlich war jeder an der Schule darauf eingestellt, dass die Schüler weniger finanzielle Mittel zur Verfügung haben könnten als an anderen Schulen. Ich habe meinen Taschenrechner von ehemaligen Schülern geschenkt bekommen, da ich mir selbst keinen neuen leisten konnte.

Was hat das mit einem Studium der Politikwissenschaft zu tun?

Bestimmt möchtest du jetzt wissen, warum diese Erfahrungen mich dazu bewogen haben über ein Studium der Politikwissenschaft nachzudenken.

1. Der Gegensatz zwischen Gymnasium und Gesamtschule

Durch meine Erfahrungen an beiden Schulformen konnte ich persönlich erleben wie Einkommensunterschiede die Gesellschaft strukturieren. Ich habe angefangen darüber nachzudenken, wo dieses Phänomen seinen Ursprung hat und wie die im Hintergrund laufenden Prozesse verändert werden können.

2. Die Gesamtschule als politischer Ort

Die Gesamtschule konnte viel mehr zu meiner Politisierung beitragen als das Gymnasium. Diese lag in einem migrantisch geprägten Stadtteil. Mit mir zusammen gingen Menschen (fast) aller Nationalitäten auf die Schule. Und man mag es angesichts der heutigen Gesellschaftlichen Stimmung kaum glauben: Das Zusammenleben an der Schule hat funktioniert. Offenkundig haben sich allerdings Konflikte zwischen Kurden und Türken aufgetan. Der Vernichtungskrieg der Türken in Nordsyrien war Gegenstand von Diskussionen im Pausenraum und auf dem Hof. Trotz aller Konflikte waren sich die Schüler einig, dass ihre Armut nicht aus Gegebenheiten wie dem „Türkei-Kurdistan“ Konflikt entstanden ist. Vielen Schülern war klar, dass Armut ein strukturelles, wenn nicht sogar gewolltes Problem ist. Somit konnte ich für mich feststellen, dass die Gesamtschule ein viel offenerer Ort für politische Auseinandersetzung gewesen ist, als es das Gymnasium war.

Zwischenzeitlich wurden in unserer Turnhalle Flüchtlinge untergebracht. Als die Partei „Die Rechte“ versuchte, dies zu instrumentalisieren, und auf dem Schulhof auftauchte, verjagten die Schüler kollektiv die Ewig-Gestrigen. Ein Erfolgserlebnis der Solidarität und dem Bewusstsein für die gemeinsame Situation.

Darum studiere ich Politikwissenschaft

Jetzt kennst du meine Geschichte. Besonders der von Marxisten thematisierte „Klassenkonflikt“ hat zu meiner Politisierung beitragen können. Ich habe angefangen, mich mit Politik und Gesellschaft zu beschäftigen, habe angefangen zu lesen. Ich bin parteipolitisch aktiv geworden und habe angefangen mich dort in der lokalen Jugendgruppe zu organisieren.

Vor dem Abitur musste ich mir allerdings die Frage stellen:

„Was soll ich studieren?“

Für mich kam nur noch eins in Frage. Ich werde Politikwissenschaft studieren. Viele aus meinem Umkreis haben sich des Geldes wegen für einen Studiengang entschieden. Meine Entscheidung für ein Studium aus Interesse heraus ist für mich allerdings das richtige gewesen.

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